REISEBERICHT 2025

Die OP- Reise 2025 liegt hinter uns. Stellvertretend berichten zwei Teammitglieder mit ihrer ganz eigenen Sicht auf das Erlebte und Erreichte. Für mich war es ein ganz besonderer Moment nach fast genau 30 Jahren nach Oxapampa und Yanachaga zurückzukehren, dorthin wo alles begann!

Wir sind von ganzem Herzen dankbar für jede erhaltene Unterstützung in Form von Geldspenden, Medikamenten und Materialien von Privatpersonen, Firmen und Krankenhäusern.

 

Im Namen des ganzen Teams 

Dr. Andreas Pöhl

Reisebericht "1"

Von Dr. Astrid Sauerschnig

 

Vor 19 Jahren bin ich als Studentin der Zahnmedizin für mehrere Wochen zum ersten Mal nach Peru gereist und habe damals in teils schwer zugänglichen Gebieten zahnmedizisch gearbeitet. Während dieser Zeit konnte ich mich einem Team anschließen, welches hilfsbedürftige Patientinnen und Patienten vornehmlich mit Lippen- Kiefer- Gaumen- und Segelspalten versorgte. Diese Zeit hat mich so geprägt, dass ich letztendlich noch Medizin studierte und die Facharztausbildung zum Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen absolvierte. Über diese vielen Jahre war und bin ich Teil des Teams der OP Kampagne Peru und 2025 sind wir wieder nach Peru gereist.

Unsere Vorbereitungen begannen bereits im Herbst 2024. Nach einem gemeinsamen Treffen und Absprache mit unseren Kontaktpersonen in Peru konnten wir uns schnell auf Mai 2025 als Reisedatum einigen.
Auch dieses Mal zeigte sich wieder, wie wichtig unsere Kontakte in Peru für die Realisierung einer solchen OP Kampagne sind. Für die Region Ancash (Huaraz/Yungay) bespricht der Rotary Club Independencia viele Details mit dem Krankenhaus und plant die Unterkünfte für uns und die Patienten schon im Vorfeld.

Recht schnell kristallisierte sich heraus, dass das Krankenhaus in Huaraz uns diesmal nicht zur Verfügung stehen wird und wir auf ein ca. 60 Kilometer entferntes Krankenhaus in Yungay ausweichen müssen. Dieses Krankenhaus ist im Moment das modernste in ganz Peru und wir waren von den Bildern schon sehr beeindruckt, sind wir doch seit unseren Anfängen so einige andere Krankenhäuser gewohnt. 

Für die Region Oxapampa (Bergurwald und Amazonasgebiet) ist es eine Gruppe von Freundinnen um Margarita Barzola, die sich schon sehr lange kennen, dort zur Schule gegangen sind und hochengagiert für die Region eintreten, vor allem für bedürftige Menschen.

Durch diese Verbindung war es uns über unseren Verein „Amistad con Peru“ bereits im vergangenen Jahr möglich, mit Spendengeldern den Comedor von Oxapampa, eine Suppenküche für Bedürftige, auszustatten und zu unterstützen Die Vorfreude war enorm, vor allem auf Oxapampa, wo 1995 alles begonnen hat. 

Seit einer letzten OP- Reise nach La Merced 2012, waren wir in dieser Region nicht mehr aktiv. Umso erfreulicher war es, als die ersten Informationen und sicheren Zusagen vom Hospital de MINSA in Oxapampa uns erreichten. Nachdem uns dann auch noch eine Liste mit 45 registrierten Patienten übermittelt wurde, waren wir überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

"Auch in Oxapampa wurden wir toll von dem Krankenhauspersonal und den Mitstreiterinnen vor Ort unterstützt und haben am Ende von den mehr als 60 angeschauten Patienten gleichfalls 28 operieren können."

Postoperative Überwachung auf Station in Oxapampa. Daniela Sarcinelli (MKG-Pflege)

Knapp drei Wochen hatten wir für unseren diesjährigen Einsatz für die zwei Orte geplant und am 9. Mai startete um 4 Uhr morgens am Flughafen Berlin-Brandenburg unsere konsequent durchgeplante Reise.

Am 10. Mai kamen wir am frühen Morgen bereits in Yungay an und konnten das Krankenhaus und den OP Saal besichtigen. Leider gab es tatsächlich in diesem großen neuen Krankenhaus nur einen OP Saal, sodass sich teilweise Operationszeiten bis nach Mitternacht ergaben, damit die geplanten Eingriffe realisiert werden konnten. Am Ende konnten von mehr als 60 angeschauten Patienten 28 operiert werden, davon waren 14 Primäroperationen, acht Sekundäroperationen sowie fünf Kieferspalt-osteoplastiken. Die meisten Patienten konnten nach einer Nacht das Krankenhaus bereits verlassen und begaben sich etwa zwei bis vier Tage später wieder auf den Heimweg.

 

Unseren letzten Tag verbrachten wir gemeinsam in den Bergen Ancash am Fuße des Nevado Huascarán.

 

Da unser Gepäck sehr umfangreich war, waren wir dankbar, dass uns das peruanische Rote Kreuz ein Auto lieh, mit dem unsere Koffer transportiert werden konnten. 

Am 18. Mai ging es zurück nach Lima und von dort mit dem Nachtbus weiter nach Oxapampa, wo wir in den frühen Morgenstunden ankamen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause starteten wir am Nachmittag die Patientenvorstellung und parallel die Vorbereitung des Operationssaals, sodass wir am 20. Mai die ersten Operationen durchführen konnten. 

Auch in Oxapampa wurden wir toll von dem Krankenhauspersonal und den Mitstreiterinnen vor Ort unterstützt und haben am Ende von den mehr als 60 angeschauten Patienten gleichfalls 28 operieren können.

 

Bis auf eine Operation waren alle 27 Primäroperationen. Das zeigt, dass der Bedarf in dieser Region enorm ist, auch weil viele Menschen den langen beschwerlichen Weg nach Lima nicht finanzieren können. Am Ende der Reise unternahm ein Teil unseres Teams noch eine Urwaldwanderung, während der andere Teil sich schon auf den Heimweg gemacht hatte.

Mit einem sehr guten Gefühl und der großen Dankbarkeit vieler glücklicher Kinder und Erwachsener sind wir alle wohlbehalten wieder in Deutschland angekommen und planen in Gedanken schon unsere nächste Reise – das wird wohl 2027 sein.

Von links: Dr. Andreas Pöhl, Dr. Dr. Benjamin Beger, Dr. Astrid Sauerschnig, Dr. Dr. Boris Schminke

Mutter mit Patient in der Vorbereitung zur Operation

Team während der anästhesiologischen Einleitung der Operation.

Dr. Astrid Sauerschnig und Dr. Anke Weitermann

Auch dieses Mal zeigte sich wieder, wie wichtig unsere Kontakte in Peru für die Realisierung einer solchen OP Kampagne sind.

von links: Dr. Tanja Castillo, Dr. Anne Pöhl, Jessica Dominguez, Sven Pettersen, Dr. Anke Weitermann, Johannes Walter, Daniela Sarchinelli, Janine Kuhr, John Ivanhoe-Mitchell, Antje Dantzer, Dr. Astrid Sauerschnig, Katja Beuster, Anke Götze, Manja Herbell, Dr. Andreas Pöhl, Marta Calixto Lido, Dr. Dr. Boris Schminke, Dr. Dr. Benjamin Beger





John Ivanhoe-MItchell mit Patient nach OP

Ein Detail blieb mir bereits 

beim Packen im Gedächtnis: 

die Koffer voller Kuscheltiere-Peluches.

Reisebericht "2"

Von John Ivanhoe-Mitchell

 

Seit vielen Jahren reist ein interdisziplinäres Team aus Deutschland nach Peru, um dort Kinder, Säuglinge und Erwachsene mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten operativ zu versorgen. Das Projekt wird gemeinsam mit dem DRK Kreisverband Bad Segeberg, peruanischen Kolleginnen und Kollegen, dem Rotary Club Huaraz vor Ort sowie lokalen Krankenhäusern organisiert und lebt von seiner Nachhaltigkeit. Die Patientinnen und Patienten werden nicht nur operiert, sondern auch vorbereitet, nachbehandelt und teilweise über Jahre begleitet. Weitere Informationen hierzu finden sich auf dieser Website unter Amistad con Peru.

Ich bin John-Ivanhoe Mitchell, Anästhesist in Weiterbildung kurz vor dem Facharztabschluss. In diesem Jahr durfte ich zum ersten Mal Teil des Teams sein. Eingeladen wurde ich von meiner Kollegin und Oberärztin Dipl.-Med. Herbell, die mich fragte, ob ich an diesem Projekt teilnehmen möchte. Ich musste nicht lange überlegen und wusste damals noch nicht, wie prägend diese Reise für mich werden würde.

 

Vorbereitung und Abflug


Bereits Wochen vor dem Einsatz fanden Videokonferenzen und Teamtreffen statt. Ich lernte alle online und persönlich kennen und hatte von Anfang an das Gefühl, Teil eines sehr wertschätzenden und menschlichen Teams zu sein. Gleichzeitig merkte ich schnell, welch enorme organisatorische Struktur hinter diesem Projekt steht: Planung der OP-Kapazitäten mit lokalen Krankenhäusern, Material- und Medikamentenorganisation, Abstimmung mit den Kolleginnen und Kollegen in Peru sowie mit den Freunden und Freundinnen des Rotary Clubs in Huaraz und der Peruhilfe des DRK-Kreisverbandes in Bad Segeberg.

Ein Detail blieb mir bereits beim Packen im Gedächtnis: die Koffer voller Kuscheltiere-Peluches. Anfangs war ich irritiert – wir reisen für komplexe Operationen nach Peru, und ein signifikanter Teil des Gepäcks besteht aus Peluches? Erst später sollte ich verstehen, wie bedeutend diese kleinen Begleiter sein würden.

Am 9. Mai ging es los von Berlin über Paris nach Lima. Ich versuchte vorher noch, meine Spanischkenntnisse aufzupolieren. Eine bekannte Sprach-App mit einer penetrant motivierenden Eule erinnerte mich täglich daran, nicht aufzugeben.

 

Zum Glück sprachen fast alle im Team gut bis fließend Spanisch, was eine große Unterstützung während der
Visiten und Gespräche war.

Ankunft in Yungay (Andenregion)


Nach einer Nacht in Lima reisten wir weiter nach Yungay. Ursprünglich war der Einsatz wie in den Vorjahren im Krankenhaus von Huaraz geplant, doch kurzfristig mussten wir auf ein anderes Krankenhaus ausweichen. Wie wir erfuhren, handelt es sich bei dem Krankenhaus in Yungay um das modernste Krankenhaus in ganz Peru. Dieser Eindruck bestätigte sich bei unserer Ankunft.

 

Das Krankenhaus begrüßte uns herzlich, sogar mit einem kleinen Empfang und traditionellem Tanz. Doch der Moment, der mich wirklich berührte, lag bereits davor. Als wir zum Krankenhaus hinauffuhren, warteten dort schon Familien mit ihren Kindern, um uns willkommen zu heißen. Viele Kinder waren bereits in den Vorjahren operiert worden und kamen zur Nachkontrolle oder zur zweiten Operationsphase. Man erlebte Wiedersehen, Umarmungen, echte Verbundenheit. Es zeigte eindrucksvoll, wie lange dieses Projekt bereits besteht und wie nachhaltig die Beziehungen zu den Familien sind.

 

Erst im Anschluss begann die präoperative Patientenvorstellung. Das gesamte Team, bestehend aus Pflege, Chirurgie, Anästhesie, Zahntechnik, führte Untersuchungen und Datenerhebung durch und legte gemeinsam fest, wer operiert werden kann und wie. Diese Phase war intensiv, lang und fordernd. Und genau hier verstand ich, welche Bedeutung die mitgebrachten Kuscheltiere hatten. Sie waren Eisbrecher in diesen ersten, sensiblen Momenten voller Aufregung, Sorge und Hoffnung. Manche Kinder hielten ihre Peluches fest wie einen Schutzschild. Und nicht selten verließ auch eine Mutter oder ein Vater das Gespräch ebenfalls mit einem Peluche in der Hand.

In den darauffolgenden Tagen wurde operiert. Das Krankenhaus konnte uns nur einen OP-Saal zur Verfügung stellen. Deshalb wurde teilweise bis nach Mitternacht operiert, um die geplanten Eingriffe zu schaffen. In Yungay wurden über 60 Patientinnen und Patienten vorgestellt, und 28 Operationen konnten durchgeführt werden, darunter sowohl Primär- als auch Folgekorrekturen sowie mehrere Kieferspaltosteoplastiken.

Für mich war es eine besondere Erfahrung, die Abläufe der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie auf diesem Niveau mitzuerleben. Die Komplexität der Eingriffe, die präzise Zusammenarbeit der Disziplinen, die Konzentration.

Mein klinischer Alltag in Deutschland ist immer strukturiert, sachlich, manchmal hektisch und teilweise durch die Abläufe etwas entmenschlicht. Hier hingegen war Medizin hier ganz nah am Menschen.

Ein persönliches Erlebnis


Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Mädchen, etwa fünf Jahre alt, mit einer ausgeprägten Lippen-Spalte. Sie war sehr zurückhaltend und drehte das Gesicht oft weg, sobald jemand hinsah. Ob es Schüchternheit, Überforderung oder Unsicherheit war, kann ich nicht sagen – vielleicht eine Mischung aus allem. Die Operation war komplex, und das Ergebnis beeindruckend. Im Aufwachraum sah ich sie später wieder, gemeinsam mit ihrem Vater. Seine Freude und Erleichterung über das Ergebnis waren deutlich zu sehen. Dieser Moment hat sich bei mir fest eingebrannt und mich tief berührt.

 

Oxapampa – zweiter Einsatzort


Nach Abschluss der ersten Woche blieb uns ein Tag für einen gemeinsamen Ausflug in die Berge und wir genossen die wunderschöne Natur und den Moment zum Durchatmen.

Dann ging es weiter nach Oxapampa, eine Region mit besonderer Geschichte für das Projekt: Hier begann 1995 alles, allerdings war das Team über 20 Jahre nicht mehr dort gewesen. Umso besonderer war es, dass wir in diesem Jahr wieder eine feste Zusage des Krankenhauses erhielten. Auch hier wieder Patientenvorstellungen, OP-Planung und lange OP-Tage. In Oxapampa wurden erneut über 60 Patientinnen und Patienten vorgestellt, 28 Operationen konnten durchgeführt werden, von denen fast alle Primäroperationen waren. Das Alter der Patientinnen und Patienten reichte von vier Monaten bis 52 Jahren, was zeigt, wie groß der Bedarf in dieser Region ist.

Ich stellte fest, wie anders sich die Arbeit anfühlt, wenn sie nicht ausschließlich von Effizienz und Zeitdruck geprägt ist. Mein klinischer Alltag in Deutschland ist immer strukturiert, sachlich, manchmal hektisch und teilweise durch die Abläufe etwas entmenschlicht. Hier hingegen war Medizin hier ganz nah am Menschen.

 

Abschluss


Insgesamt konnten wir knapp 60 Patientinnen und Patienten erfolgreich operieren, ohne Komplikationen. Nach Abschluss der Arbeit blieb ich noch einige Tage in Oxapampa, bevor ich am 30. Mai zurück nach Berlin flog. Zeit, all das Erlebte wirken zu lassen.

Dank & persönliche Reflexion


Zum Abschluss möchte ich einen besonderen Dank aussprechen — nicht nur an das Team, sondern auch an alle Spenderinnen und Spender, die dieses Projekt ermöglichen.  Unabhängig von dem organisatorischen und medizinischen Aufwand, der hinter dem Einsatz steckt, ist es die finanzielle Unterstützung, die letztlich dazu führt, dass Kinder operiert werden können, dass Familien überhaupt anreisen können und dass Materialien und Medikamente zur Verfügung stehen.

 

Ich gebe offen zu: Bevor ich losgeflogen bin, gab es eine kleine Stimme in mir, die sich fragte, ob es wirklich sinnvoll ist, dass ein Team aus Europa um die halbe Welt reist, um hier zu operieren. Ob unser Einsatz den Aufwand, die Emissionen und die Ressourcen rechtfertigt. Nach dieser Reise kann ich diese Frage zweifelsfrei mit Ja beantworten. Die enge Zusammenarbeit mit den peruanischen Kolleginnen und Kollegen, die nachhaltigen Strukturen und die Nachsorge über Jahre hinweg hat mir gezeigt, wie durchdacht dieses Projekt ist und wie viel es für die Menschen vor Ort bedeutet. Ich habe gesehen, wie Kinder, die vor Jahren operiert wurden, gesund und selbstbewusst zurückkamen. Ich habe erlebt, dass Spenden nicht im System verpuffen, sondern direkt, sichtbar und messbar zu einem besseren Leben führen. 

Ich kann heute mit voller Überzeugung sagen: Hier macht jeder Cent, jede Spende, tatsächlich jede Unterstützung, Sinn.
Ich bin dankbar, ein Teil dieses Projektes gewesen zu sein. Dankbar für das Vertrauen des Teams, für die Offenheit der Familien und dafür, erlebt zu haben, wie Medizin Leben verändert.